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 WM09 - Teil 2 Martin 18.08.2009-21:41   TOP 

15. August 2009 - Nach dem Vorlauf ist vor dem Viertelfinale

Ich werte mit dem Reporter der ARD den Vorlauf aus. Dann folgt noch ein Interview mit einer Radio-Reporterin. Hinter den Kulissen fangen mit die ZDF-Leute ab und auch noch den Vertreter der Printmedienstehe ich Rede und Antwort. Dann verlasse ich die Mixed Zone und der Weg zum Einlaufplatz ist ja ewig. Dort angekommen werde ich von den beiden Trainer erstmal hochgenommen. Ich berichte vom britischen Bahnverlasser und letztendlich sagen sie mir doch, dass ein Protest geprüft wird. Dieser sollte dann nicht eingelegt werden, da ich ja so oder so weiter war.

Schwachsinn, wenn ihr mich fragt. Was ist denn, wenn ich genau gegen diesen Sprinter das Hablfinale verpasse? Dann brennt der Baum!

Sofort geht es zurück ins Hotel. Schnell auf das Zimmer - Duschen- Dann schnell was essen und ich hab reichlich getrunken - schon fast zu viel. Mein Bauch war ganz schön voll. Kaum hab ich die Massagebank verlassen fällt mir auch schon wieder auf, dass ich ja schon fast wieder los muss. In meiner Hektik trenne ich den iPod vom PC und es passiert, das was immer angeprangert wird, aber eigentlich nie passiert. Das blöde Ding hängt sich auf und ich muss warten bis er leer ist. Zu blöd, dass er grade randvoll aufgeladen war.

Naja ich begebe mich nach unten und die Coaches warten schon. Ein große Menge an Leuten will ins Stadion und ich erwische noch einen der letzten Plätze. Alle, die stehen müssen den Bus wieder verlassen und auf den nächsten warten.

Der Ablauf vom Vormittag wiederholt sich 1:1.
Als wir dann den Tunnel ins Stadion gehen ist eines anders.
Alle schweigen. Man hört nur das Rauschen der Lüftung und die leisen Schritte. Die 2. Runde nehmen dann auch wirklich alle ernst. Nagut Mr. Bolt vielleicht nicht, aber Chambers, Thompson und Co in meinem Lauf wissen, dass es jetzt um die Wurst geht. Wer hier nicht scheitert steht am Tor zum Finale.

Wir marschieren ins Stadion und die Leute erkennen sofort, wenn deutsche Athleten im Anmarsch sind. Die Vorstellung der wichtigsten Teilnehmer findet wie im Vorlauf statt. Man hört den Sprecher wieder schwer, aber noch bevor mein Name fällt jubelt die Menge mir schon zu. Ich treibe die Leute an und diese geben das sofort zurück.
Als der Mann neben mir, Dwain Chambers, vorgestellt wird, reagiert das Publikum gemischt. Die einen jubeln, aber es gibt auch einzelne, die mit Buhrufen auffallen. Ich weiß persönlich nicht so richtig was ich davon halten soll. Daher lass ich es mal so im Raum stehen.

Als wir in die Blöcke gehen mache ich mir nochmal bewußt, wo ich stehe und in welcher Liga ich spiele. Die Leute auf 3 bis 6 sind nicht mein Maßstab. Dem Japaner neben mir gilt meine größte Aufmerksamkeit. Der Schuss fällt und das Feld zieht los wie verrückt. Der Japaner entwischt mir zunächst auch, aber ich schaffe es ihn einzuholen und werde schließlich Siebte. Dass ich wieder im Fotofinish gegen die beiden Jungs auf den Außenbahnen verliere, passt zu dem fehlenden Glück an diesem Tag, denn auch 0,7m/s Gegenwind helfen nicht gerade. Andere Läufe an diesem Tag hatten auch mal soviel Rückenwind und damit hätte ich auch eine bessere Zeit geschafft unter 10,30s.

Wieder trete ich den Weg an den Medienvertretern an und folgte schließlich Tyson Gay Richtung Äufwärmplatz. Er schlendert wenige Meter vor mir mit offenen Schnürsenkeln entlang. Seine Körpersprache ist zweideutig. Entweder ihn nervt diese ganze Vorlaufsuppe total an und er würde am liebsten direkt Finale laufen oder er weiß ganz genau, dass es gegen Usain keine Chance haben würde und auf den Sack bekommt.

Wir fahren direkt wieder ins Hotel und ich erlebe unsere erste Medaille im Fernsehen mit. Ralf schiebt den Deutschlandexpress an.


 WM09 - Teil 1 Martin 17.08.2009-16:12   TOP 

15. August 2009 - Vorlauf

Ich wache auf. Es ist dunkel. Ich suche eine Uhr. Da - das Handy. 6.52 Uhr - Samstag - 15. August. 7.30 Uhr soll der Wecker klingeln.

Es ist wie immer an einem Wettkampftag: Ich wache rund eine halbe Stunde vor dem Wecker auf und bin hellwach. Ich bleibe noch liegen bis er dann letztendlich klingelt und geh duschen, anschließend frühstücken.

Stefan ist schon los, denn er ist direkt am Anfagn dran. Ich habe noch mehr Zeit und bereite meine Sachen und mich auf den Wettkampf vor. Es ist noch alles so normal, aber als ich dann 9.45Uhr aus dem Fahrstuhl steige und die Lobby voll mit Athleten, Trainer und vielen anderen Leuten ist beginnt die WM für mich. Ich steige in den Bus, der direkt vor dem hinteren Ausgang des Hotels steht ein. Punkt 9.50Uhr fährt er ab und ich erreiche gut 25 Minuten später den Einlaufplatz, wo ich mich noch mal ins Physiozelt verkrümmel und noch versuche zu relaxen. Mit Musik aus dem neuen iPod, der den alten ertränkten ersetzt hat, gelingt es mir nicht zu entspannen. Ich bastel mir meinen optimalen Rennverlauf schon im Kopf zusammen. Der Brite Williamson und Andrew Hinds aus Barbados rennen 2 Meter vorne weg und mir gelingt es Ronald Pognon deutlich zu distanzieren. 10,29s erscheint auf der Videowall und ich bin sicher im Zwischenlauf. Das wär\'s. Also nichts mit relaxen. Die Minuten, die mir da blieben waren schneller rum als ich dachte.

Ich beginne mit dem Erwärmen. Ich mache alles wie immer, also gibts da nicht viel zu erzählen. Als ich schließlich dann in den ersten Callroom gehe fällt mir auf, dass von Mr. bolt keine Spur besteht. Als dann alle 8 Sprinter da sind gehen wir die Treppe in den Untergrund und laufen den langen Gang Richtung Katakomben des Stadions. Dort werden wir dann nochmals kontrolliert und kaum, dass ich mich versehe stehe ich im Stadion und stelle auf meiner Bahn 7 den Block ein. Beim Probestart stolper ich und ich höre nur von der Tribüne ein leise \"Oooh!\". Die Zuschauer haben mich schon aufmerksam im Auge. Ausgewählte Athleten werden vorgestellt. Ich als Einheimischer natürlich auch. Kaum höre ich nur die erste Silbe meines Vornames steigt die Stimmung im Stadion schlagartig. Die Leute jubeln mir zu. Ich grinse in die Kamera und singnalisiere den Leuten, dass sie mir Dampf machen sollen.

"On your marks." - "Set!" ... Ein elektronischer Startschuss aus dem Lautsprecher ertönt und die Post geht ab. Brust an Brust komme ich mit den beiden neben mir aus dem Block. Beide immer hin mit Bestzeiten von 9,99s und 10,03s - ich bin überrascht, aber dennoch gibt mir diese Nähe zur Spitze einen Kick. Ich spüre wie ich ab Mitte des Rennens den winzigen Rückstand weg mache und Aufhole. Ich merke, dass ich grad richtig ins Rollen komme und glaube sogar zwischen den beiden durch zu huschen. Aber ich bleibe auf ihre Höhe hängen und wir überquerren nebeneinander das Ziel. Ich wußte, dass es sehr eng war und konnte nicht sagen wie der Ausgang war. Ich spürte als ich aufholte wie das Publikum mitging und einen immer lauter werdendes Raunen die Maße erfasste. Das schiebt einen direkt noch weiter nach vorne. Wie wird das nur aussehen, wenn wir auf Platz 4 liegend in der Staffel knapp hinter Platz 3 auf der Zielgeraden laufen und ich vielleicht die entscheidenden Zentimeter sogar gut machen kann. Das wär\'s. Ich bekomm beim Tippen dieser Zeilen grad Gänsehaut.

Fortsetzung folgt...


 Über Kienbaum nach Berlin Martin 10.08.2009-22:23   TOP 

Heute bin ich nun in Kienbaum eingetroffen. 90 Athleten sind in der Mannschaft und alle vor Ort. Der jetzige Aufenthalt wird winzig im Vergleich zum letzten. Drei Mal Schlafen und ich bin schon in Berlin.

Morgen wird nochmal Wechseltraining gemacht. Das stellt für mich auch mein letztes Sprinttraining dar. Danach wird nur noch ausgeruht für Samstag.

Der Vorlauf ist Pflicht. Wer dort rausfliegt muss schon weit über 10,40s laufen.
Der Zwischenlauf kann es schon in sich haben. Dort braucht man auch ein wenig Glück, aber das Halbfinale ist nicht unmöglich. 10,30s könnten reichen, aber auch 10,15s wiederrum nicht. Platzierungsregel sei dank.

Ich werde die Tage nochmal schreiben wie es denn auf dem Weg läuft.

Bis dann,
Martin



 Über Ulm nach Berlin - Das ist das Ziel! Martin 30.06.2009-18:52   TOP 

Es ist viel passiert seit dem letzten Eintrag.
Nach meiner kurzen Verletzungspause musste ich den Saisoneinstieg verschieben und konnte aber trotzdem im ersten Aufeinandertreffen mit den anderen Sprinter gut abschneiden so, dass ich beim ISTAF und bei der Team-EM starten könnte. Dass mir dort dann zunehmend der Saft ausging war ja fast klar. Die Probleme mit dem Rücken verhinderten Tempoläufe und damit die nötige Kondition, die man braucht um erstens bis ins Ziel schnell zu laufen und dann die Wettkampfläufe wegzustecken.
Daher hatte ich das letzte Wochenende frei und hab in der Vorwoche noch etwas trainiert und tanke Kraft für die Deutschen Meisterschaften am Wochenende in Ulm. Dort stellen sich alle Weichen Richtung Berlin oder eben halt nicht. Von den Zahlen her ist Stefan Schwab klarer Favorit und dahinter tummeln sich viele unter anderem ich natürlich.
Ich fühle mich gut und lauer wie ein Tiger auf die Beute.

Jetzt muss ich nur noch zuschlagen.

Drückt mir die Daumen,

Euer Martin


 Die Wettkämpfe können kommen! Martin 28.04.2009-19:15   TOP 

Es ist wieder mal an der Zeit euch über mein Befinden zu berichten.

Viel Zeit ist vergangen, seitdem die Hallensaison beendet ist. Meine Staffelkollegen waren in den USA und sind 39,81s gelaufen. Ganz besonders gefreut hat es mich, dass unsere Freunde aus Großbritanien ein weiteres Mal gegenüber uns das Nachsehen hatten. Wir haben Annecy 2008 nicht vergessen.

Nach vielen Schnelligkeitstrainings und zahlreichen Tiefstarts mit und ohne Zusatzgewichten kann ich einen Formanstieg verzeichnen, der sich heute in einer eingestellten Bestleistung wiederspiegelte.
Ich lief nun schon zum dritten Mal 30m fliegend in 2,71s. Das erste Mal gelang mir das am 4. Mai 2008. Außerdem konnte ich diesen Trainingswert 3 Wochen vor den Olympischen Spielen im Trainingslager in Kienbaum bestätigen. Wir haben heute den 28. April und ich bin somit genauso gut wie im Vorjahr oder vielleicht sogar eine Winzigkeit besser, da mir selbiges ja wie gesagt in 2008 erst eine Woche später gelang.

Das ausgedehnte Technik-, Kraft- und Starttraining, das wir über den Winter gemacht haben, trägt nun auch Früchte. Mein Start hat sich verbessert und wenn man nun 1+1 zusammenzählt, bin ich sehr optimistisch, was meine Leistungsfähigkeit für den WM-Sommer 2009 angeht.




In rund einer Woche hebt dann auch schon der Flieger Richtung Spanien ab. Der komplette Sprintkader absolviert ein 10-tägiges Trainingslager am atlantischen Ayamonte und wird mehrere Trainingseinheiten mit Staffelwechsel durchführen. Am. 17. Mai kommen wir dann zurück und treffen uns schon am 23. Mai in Weinheim wieder, wo es dann heißt: "Angriff auf die WM-Norm!"
Sven wird auch mit nach Spanien reisen, genauso wie unser Trainer Bernd Schubert.

Bis die Tage,
Martin.